Häufige Fragen

1. Wie läuft das eigentlich ab mit der Einschulung in die Waldorfschule?

Der ideale Zeitpunkt für den Schuleintritt fällt zusammen mit dem beginnenden Zahnwechsel. Mit der Ausbildung der bleibenden Zähne ist eine wichtige Phase der kindlichen Entwicklung abgeschlossen: der Aufbau des Körpers und seiner Organe. Nun werden innere Entwicklungskräfte frei, die als Lernkräfte genutzt werden können. Eine zu frühe Einschulung kann da nur schädlich sein.

Den Eltern einer neuen ersten Klasse werden verschiedene Gelegenheiten (Vorträge, Gesprächsabende) geboten, sich ausgiebig über die Grundlagen der Waldorfpädagogik zu informieren, auch Elternabende finden bereits vor der eigentlichen Einschulung statt. Wir als Schulgemeinschaft legen großen Wert darauf, dass künftige Waldorf-Eltern sich möglichst intensiv mit Fragen der Waldorfpädagogik beschäftigen und ihre Entscheidung für unsere Schule sorgfältig durchdacht haben. Dies kann auch mithilfe von Fachliteratur geschehen.

 

2. Eine Waldorfschule muss doch zum Teil von den Eltern finanziert werden – wie ist das mit den Elternbeiträgen?

Eine Waldorfschule in Thüringen bekommt für jeden Schüler aus dem Landeshaushalt 85 Prozent dessen, was das Land für einen entsprechenden Schüler an einer staatlichen Schule aufwenden müsste. Die restlichen Mittel müssen auf andere Weise aufgebracht werden.

Zum einen kommt dieses Geld dadurch zusammen, dass – man muss das so offen sagen – Waldorfschulen ihre Lehrer schlechter bezahlen, als dies an staatlichen Schulen der Fall ist. Zum anderen müssen die Eltern der Schule einen finanziellen Beitrag aufbringen. Die rechtliche Lage zwingt die Waldorfschulen sogar dazu, diesen einzufordern: jede Waldorfschule ist verpflichtet, mindestens 15 Prozent der Betriebskosten aus Elternbeiträgen zu finanzieren. Trotzdem ist es unser Grundsatz, dass niemand aus finanziellen Gründen daran gehindert sein soll, sein Kind auf unsere Schule zu geben. Genauere Informationen gibt es im Zusammenhang mit der Einschulung eines Kindes an unsere Schule.

 

3. Oft hört man, dass hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten zur Waldorfschule gehen – ist da etwas dran?

Nein, das zeigen schon die sehr guten Ergebnisse unserer Schüler bei den staatlichen Abiturprüfungen in den letzen Jahren. Durchaus aber umfasst eine Waldorfschulklasse Kinder mit einem besonders breiten Begabungsspektrum. Und die spezielle, an der Entwicklung des Kindes orientierte Pädagogik zeigt oft Erfolge auch bei Kindern, die im staatlichen Schulsystem große Probleme hätten.

 

4. Ohne Noten und ohne Sitzenbleiben: Sind die Kinder da überhaupt zum Lernen zu bringen?

Wenn Leistungen nur erbracht werden, weil schlechte Noten oder gar Sitzenbleiben drohen, dann ist an der Pädagogik irgendetwas faul.

Die Waldorfschule stimmt ihren Unterricht stets auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler ab, was dazu führt, dass immer der Unterrichtsstoff angeboten wird, der auf ein gewisses „natürliches“, altersgemäßes Interesse stößt. Außerdem bemühen sich Waldorflehrer besonders darum, ihren Unterricht bildhaft und lebensnah zu gestalten. So sollen die Kinder nicht aufgrund eines äußeren Leistungsdrucks, sondern aus einer inneren Motivation heraus lernen.

Außerdem bedeutet der Verzicht auf Noten nicht den Verzicht auf Rückmeldung über gute oder schlechte Leistungen. Im Gegenteil: Die sorgfältig ausformulierten und konkret auf das einzelne Kind bezogenen Bewertungen geben diese Rückmeldung in einer viel präziseren und motivierenderen Form. Während eine schlechte Note in einem Fach, für das man nicht so begabt ist, nur zur Frustration führt, verstärkt eine gute Note in einem Fach, das einem liegt, manchmal die Versuchung, sich locker durchzumogeln.

Mit den ausformulierten Zeugnissen der Waldorfschule hingegen kann derjenige, der aus einer schwachen Position heraus einen für ihn bemerkenswerten Fortschritt macht, ermutigt werden, während dem „Überflieger“ in einem Fach deutlich gemacht werden kann, dass er zu noch weit mehr in der Lage wäre.

 

5. Werden die Kinder gut genug auf die „harte Realität“ vorbereitet? Ist die Waldorfschule nicht so etwas wie eine „heile Welt“?

Vermutlich hängt dieses Vorurteil damit zusammen, dass sich die Waldorfpädagogik im Kindergarten und in den ersten drei, vier Schuljahren tatsächlich sehr um eine behütende Atmosphäre bemüht. Der Grund dafür ist, dass gerade in diesen Jahren die Kinder zunächst einmal die Kräfte entwickeln müssen, die sie später in den Stand versetzen, mit den Widrigkeiten des Lebens fertig zu werden. Zugleich bemüht sich aber die Waldorfschule von Beginn an darum, Begegnungsmöglichkeiten mit dem „wirklichen Leben“ zu schaffen – in einem weit höheren Maße als fast alle staatlichen Schulen. Das umfassende Praktikumskonzept ist dafür nur ein Beispiel.

 

6. Von Klasse Eins bis Acht derselbe Klassenlehrer, der dann auch noch viele verschiedene Fächer unterrichtet – kann das überhaupt funktionieren?

Nun, es funktioniert seit über 80 Jahren recht gut. Eine gute Allgemeinbildung, pädagogisches Handwerkszeug und hohes Engagement setzen den Klassenlehrer in den Stand, einen auch inhaltlich qualitätsvollen Unterricht zu geben.

Außerdem ist im Zweifel der Aufbau einer guten, vertrauensvollen Lern- und Arbeitsatmosphäre für den Unterrichtserfolg viel wichtiger als das letzte Quäntchen Detailwissen. Eine solche Atmosphäre lässt sich jedoch nur schaffen, wenn die Beziehung zwischen Lehrer und Schülern eine langfristige und verlässliche ist.

 

7. Kommt nicht die Vorbereitung auf die (staatlichen) Schulabschlüsse zu kurz, wenn es so viele Praktika und künstlerisch-handwerkliches Arbeiten gibt?

Auch bei den staatlichen Abschlüssen kommt es in der Praxis sehr viel weniger auf „vollständiges“ Faktenwissen an, als man gemeinhin annimmt. Für Erfolg oder Misserfolg sind vielmehr bestimmte Fähigkeiten ausschlaggebend: Selbstbewusstsein, konzentriertes Arbeiten, systematische Vorbereitung, Erkennen des Wesentlichen, Improvisation – entscheiden letztlich auch beim Realschulabschluss oder beim Abitur.

Und diese Fähigkeiten werden durch künstlerische und handwerkliche Arbeit, durch Theaterspiel und Projekte, durch öffentliche Auftritte und Praktika an der Waldorfschule intensiv geschult. Zudem bietet der Lehrplan der Waldorfschule trotz der vielen zusätzlichen Fächer und Aktivitäten die vollständige Palette des prüfungsrelevanten Wissens – und noch viel mehr. Dies bedeutet – zugegeben – in den oberen Klassen manchmal eine große Belastung für die Schüler. Die Waldorfpädagogik hat dann jedoch dafür gesorgt, dass sie über die dafür nötige Stärke auch wirklich verfügen.

 

8. Wer war Rudolf Steiner und was hat er mit der Waldorfpädagogik zu tun?

Rudolf Steiner (1861-1925) gründete 1919 in Stuttgart die erste Waldorfschule. Emil Molt, Besitzer der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria, hatte ihn gebeten, für die Kinder seiner Arbeiter eine Schule aufzubauen, in der – wohl zum ersten Mal – das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht werden sollte.

Dazu gehörte, dass die Waldorfschule als erste „einheitliche Volks- und höhere Schule“ jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, Begabung oder ihrem Berufswunsch eine gemeinsame Bildung vermitteln wollte und immer noch will. Inhalte und Methoden der Waldorfpädagogik beruhen auf Rudolf Steiners Auffassungen von den Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Die Waldorfschulen sind die heute vielleicht bekanntesten Zeugnisse des außerordentlich vielseitigen Wirkens Rudolf Steiners. Er hat jedoch auch die Grundzüge der Anthroposophie und darauf aufbauend die biologisch-dynamische Landwirtschaft und die anthroposophisch erweiterte Medizin entwickelt. Und er hat damals viel beachtete Ideen zu einer radikalen Erneuerung von Gesellschaft und Volkswirtschaft (die so genannte „soziale Dreigliederung“) publiziert und viele Impulse zum künstlerischen Schaffen gegeben, neben der Eurythmie vor allem auch in der Architektur.

 

9. Werden die Kinder an der Waldorfschule weltanschaulich unterrichtet und womöglich beeinflusst?

Rudolf Steiner selber hat als Gründer der Waldorfschulbewegung strikt ausgeschlossen, dass die Anthroposophie Unterrichtsgegenstand an der Waldorfschule sein könnte. Dies auch aus der Einsicht heraus, dass die Anthroposophie eine Geisteswissenschaft ist, die den erwachsenen Menschen voraussetzt. Auch konfessionell ist die Waldorfschule nicht gebunden oder festgelegt. Sie versteht sich allerdings als eine im Grundsatz christliche Schule. Deshalb wird möglichst sowohl evangelischer, katholischer als auch ein so genannter freichristlicher Religionsunterricht – meist innerhalb der entsprechenden Gemeinden – angeboten.

 

10. Wie kann man sich den Alltag und das Besondere an einer Waldorfschule vorstellen?

Um diese Fragen anschaulich zu beantworten, hat sich ein Filmteam für eine Langzeitdokumentation einer Waldorfklasse entschieden. Die ersten 2 Filme sind nun bereits erschienen: die Ausgabe „GUTEN MORGEN, LIEBE KINDER“  begleitet die Kinder von Klasse 1 bis 3 und die zweite Folge „EINE BRÜCKE IN DIE WELT“ gibt Einblick in den Schulalltag der 4. bis 6. Klasse. Mehr Informationen erhalten Sie unter:
www.guten-morgen-liebe-kinder.de